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Welche Belastungen sind auf dem künftigen Rathaus-Grundstück sowie auf dem Grundstück Berliner Straße 12-14 (ehem. Sky) vorhanden?

Auf den Flurstücken 13/1, 9/19, 4/19 der Flur 58, Gemarkung Elmshorn wurden im Verlauf verschiedener Untersuchungen Bodenproben entnommen und auf die jeweiligen Verdachtsparameter der jeweiligen Altstandorte bzw. der Altablagerung analysiert. Ziel war die Bewertung des Wirkungspfades Boden-Mensch gem. der Prüf- und Maßnahmenwerte der BBodSchV Anhang 3.

Parameter und ihr ermittelter Gehalt kurz erläutert

Schwermetalle und Arsen

Elemente, welche in Spuren auch natürlich vorkommen. Angereichert werden diese in höheren Konzentrationen meist durch industrielle Prozesse (Metallherstellung und -verarbeitung). Herkunft in diesem Gebiet auch aus den Gerbereien (v.a. Chrom). Höhere Arsen-Gehalte im Boden unterhalb von 35 cm finden sich im nördlichen Bereich des Grundstücks Vormstegen 11-13 im Verlauf der alten Au (> 150 mg/kg Arsen). Der Prüfwert für den Wirkungspfad Boden-Mensch - Wohngebiete liegt bei 50 mg/kg. Chrom wurde im südlichen Bereich der Adresse Vormstegen 21 im Grundriss des ehem. Gerbereigebäudes mit über 55.000 mg/kg in einer Probe ermittelt. In allen Bodenproben im tieferen Bereichen der angefragten Grundstücke wurden mit Ausnahme von Cadmium und Quecksilber alle Schwermetalle und Arsen nachgewiesen. Belastungsschwerpunkte belaufen sich auf den Osten (Berliner Str. 12-14). Bisher besteht für den Wirkungspfad Boden-Mensch keine Gefährdung für die angefragten Flurstücke, da dessen Oberflächen größtenteils versiegelt sind. Ein direkter Kontakt ist nicht gegeben.

Organische Schadstoffe

Hierbei handelt es sich um die Parameter PAK (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe), MKW (Mineralölkohlenwasserstoffe, LCKW (Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe), BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole) und PCB (Polychlorierte Biphenyle). Allesamt sog. Summenparameter die diverse einzelne Schadstoffe umfassen. PAK als Summenparameter ist in erster Linie abfalltechnisch relevant. Der Einzelstoff Benzo(a)pyren gilt als Leitparameter für die Gefährdung des Wirkungspfades Boden-Mensch, da dieser Stoff als karzinogen eingestuft wird. Die Stoffgruppen LCKW und BTEX sind leicht flüchtig und grundsätzlich auch für den Wirkungspfad Boden-Bodenluft-Mensch von Belang. Die Herkunft dieser Stoffgruppen ist nicht einheitlich zu beschreiben. Diese können aus der Altablagerung stammen oder auch je nach Stoffgruppe aus dem jeweiligen damaligen Betrieb der Altstandorte. Im Bereich des Grundstücks Vormstegen 21 wurden PAK-Gehalte von rd. 2.800 mg/kg ermittelt, davon war ein punktueller Gehalt an Benzo(a)pyren im mittigen Bereich des Grundstücks ermittelt worden. LCKW wurde im Boden auf den angefragten Flurstücken nicht untersucht. Die Untersuchung dieser Stoffe erfolgte ausschließlich im Grundwasser und der Bodenluft. In der Bodenluft wurden im engräumigen südwestlichen Bereich des Grundstücks Vormstegen 21 LCKW-Konzentrationen bis zu 122,5 mg/m3 in der Bodenluft gemessen. BTEX wurde nur im westlichen Bereich von Vormstegen 21 und an drei Punkten im Bereich Vormstegen 11-13 untersucht und in keiner Boden-Probe nachgewiesen, in der Boenluft ebenfalls nicht. MKW wurde im Bereich Vormstegen 11-13 und 21 punktuell mit über 2.000 mg/kg im Boden nachgewiesen. PCB wurde im Bereich der angefragten Grundstücke nicht untersucht.

Methan

Methan kann ab einer gewissen Konzentration explosiv sein. Die Untere Explosionsgrenze liegt bei 4,4 Vol.-% und die Obere Explosionsgrenze bei 16,5 Vo.-%. Methan wird u.a. bei der Zersetzung organischer Weichschichten durch Mikroorganismen gebildet. Das ist ein natürlicher Vorgang. Die organischen Weichschichten (Torfe, Mudden) sind im Bereich der ehem. Krückau-Niederungen natürlicherweise entstanden. Zum Hochwasserschutz und zur Abfallentsorgung wurden in der Historie Ablagerungen von organischen Stoffen im Bereich der angefragten Grundstücke (Altablagerungen) eingebracht. In diesen Altablagerungen kann auch eine Methand-Bildung auftreten. Im Bereich der angefragten Grundstücke wurden keine bis niedrige Gehalte unterhalb der Unteren Explosionsgrenze ermittelt. Lediglich eine Messstelle weist eine MethanKonzentration von 4,5 Vol.-% auf. Handlungsbedarf für die aktuelle Nutzung wurde nicht festgestellt

Milzbrand (Anthrax)

Ein Bakterium (Bacillus anthracis), das im Blut vegetative Zellen ausbildet. Je nach Typ wird dieser Erreger der Risikogruppe 2 oder 3 der BioStoffV zugeordnet. Diese können im Erdboden Jahrzehnte überdauern und bleiben infektiös. Herkunft in diesem Gebiet aus den ehem. ansässigen Gerbereien. Der Verdacht von Vorkommen von Milzbrandbakterien ist gebunden an das Vorfinden von Gerberei-Abfällen. Einen konkreten Nachweis von Milzbrand-Erregern gab es bisher nicht. Es wurden bisher sechs Proben auf Milzbrand-Erreger untersucht. Bisher besteht im Gebiet der angefragten Flurstücke lediglich im Randbereich in Richtung Schauenburger-Straße ein Verdacht auf Ablagerung von Gerbereiabfällen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Schreibens geht keine Gefährdung für den Menschen von dem Material aus, da es sich unterhalb einer versiegelten Fläche befindet.

Quelle: Untere Bodenschutzbehörde des Kreises Pinneberg, Stand: Mai 2021